GaLa Service aktuell

Infos aus unserem Meisterbetrieb im Garten- und Landschaftsbau
GaLa Service: Wächst und gedeiht (LVR ZB 1/2021)

GaLa Service: Wächst und gedeiht (LVR ZB 1/2021)

Im Rheinland gibt es derzeit knapp 150 Inklusionsbetriebe – einer davon ist GaLa Service, ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb in Bergheim bei Köln. Das Unternehmen ist noch jung und hat schon einige Erfolge vorzuweisen. Unterstützt wird es vom LVR-Inklusionsamt. ZB hat den Betrieb besucht.

Michael Schmitz fährt mit dem Pritschenwagen über den Hof, lässt das Fenster herunter, schiebt den Ellenbogen lässig über die Tür und lacht. Was erst einmal sehr alltäglich klingt, ist für Michael Schmitz und seinen Arbeitgeber ein großer Erfolg. Schmitz hat kürzlich seinen Führerschein gemacht, mit Unterstützung der GaLa Service Rhein-Erft Inklusionsbetrieb gGmbH, bei der er arbeitet. Er ist einer von sechs Mitarbeitern mit einer Schwerbehinderung in dem kleinen Betrieb und sein bestandener Führerschein zeigt besonders schön, warum das Konzept „Inklusionsbetrieb“ für Mitarbeiter und Unternehmen ein Gewinn ist. Dafür lohnt es sich, an den Anfang der Geschichte zu schauen.

Macht den Kopf frei. Der Garten- und Landschaftsbaubetrieb ist eine Ausgründung aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Die Geschäftsführerin der Werkstatt, Birgit Hummel, die auch den Inklusionsbetrieb leitet, erinnert sich an die ersten Ideen zur neuen Firma. „Damals haben wir uns überlegt, wie wir Arbeitsplätze außerhalb der Werkstatt schaffen können“. Sie gärtnert selbst gerne, und auch die Gartengruppe in der Werkstatt läuft gut. Hummel erklärt: „Gartenarbeit macht den Kopf frei und vertreibt schlechte Gedanken.“ So kam die Idee auf, in der Garten- und Landschaftsbaubranche zu gründen. Unterstützt wurde Hummel unter anderem von der Aktion Mensch und dem LVR-Inklusionsamt. Das Inklusionsamt unterstützt Betriebe im Gründungsprozess von der Erstberatung bis zur Anerkennung als Inklusionsbetrieb, und darüber hinaus.

Bei Neugründungen müssen zunächst ein Businessplan und eine betriebswirtschaftliche Stellungnahme erarbeitet werden. Inklusionsbetriebe sollen nämlich – gerade weil sie Menschen mit Behinderung beschäftigen – wettbewerbsfähig sein. Es geht also nicht darum, Betriebe durch viel Förderung
„künstlich“ am Leben zu erhalten, sondern die Arbeitgeber dabei zu unterstützen, selbstständig und nachhaltig zu wirtschaften. „Die Wettbewerbsfähigkeit muss gewahrt bleiben“, erklärt René Stenz vom LVR-Inklusionsamt. Stenz ist Teamleiter in der Abteilung Inklusionsbetriebe, die GaLa Service seit der Gründung begleitet.

GaLa Mitarbeiter Michael Schmitz

Selbstständig. Michael Schmitz führt viele Arbeiten aus, die auch die Gesellen übernehmen. (© LVR/Rupert Oberhäuser)

Bestandener Führerschein. 2018 ging der Betrieb mit fünf Mitarbeitern an den Start – mittlerweile sind es insgesamt zehn, die in zwei Kolonnen arbeiten. Michael Schmitz ist einer davon und von Anfang an dabei. Er arbeitete zuvor in der Werkstatt und wurde von GaLa Service als Hilfsarbeiter übernommen.
„Ich mache ähnliche Sachen wie ein Geselle“, erklärt er. „Pflastern, Regenrinnen setzen, Hecken scheren und so weiter“. Er wurde zunächst in einer Art Praktikum angestellt und dann fest übernommen – in einem regulären Arbeitsverhältnis mit Tariflohn. Im letzten Jahr bestand er dann – mit Unterstützung seines Arbeitgebers – die Führerscheinprüfung. Er zog außerdem in eine eigene Wohnung und freut sich über seine immer weiter wachsende Selbstständigkeit. Auch Birgit Hummel ist stolz auf dieses neue Selbstbewusstsein – sie weiß, dass der feste Job mit gutem kollegialem Zusammenhalt und einer festen Struktur dazu entscheidend beigetragen hat. René Stenz, zuständiger Teamleiter beim LVR-Inklusionsamt, bestätigt dies – auch aus seiner Erfahrung mit anderen Betrieben. „Die Mitarbeiter in Inklusionsbetrieben sind oft besonders zuverlässig und motiviert“, erklärt er. „Die Freude über einen guten und verständnisvollen Arbeitgeber schafft eine besondere Loyalität und das zeigt sich auch im Betriebsklima" , erklärt Stenz. Er betont, dass in Inklusionsbetrieben häufig eine hohe Achtsamkeit im Umgang miteinander zu beobachten sei – das ist für alle Mitarbeiter ein Plus.

Alles anders? Die Anforderungen an Vorgesetzte sind in einem Inklusionsbetrieb ein wenig anders und gehen über bloßes Management hinaus. Das weiß auch GaLa-Betriebsleiter Aleksander Pintaric. Nach der Kernkompetenz gefragt, die im Umgang mit den Mitarbeitern nötig ist, lautet seine Antwort: „Geduld“ und ein herzliches Lachen. Er erklärt, dass es manchmal etwas länger dauere, bis alles sitze, aber dann laufe meistens alles rund und die Mitarbeiter seien sehr zuverlässig. Gerade in einer Branche, die mit Fachkräftemangel zu kämpfen hat, ist das ein wichtiges Kriterium.

gala news lvr zb hummel

(© LVR/Rupert Oberhäuser)

"Gartenarbeit macht den Kopf frei und vertreibt schlechte Gedanken."

Birgit Hummel ist Geschäftsführerin der GaLa Service Rhein-Erft Inklusionsbetrieb gGmbH

Hummel und Pintaric sind sich einig: auf die Mitarbeiter mit ihren Einschränkungen und Bedürfnissen muss Rücksicht genommen werden – aber jeder habe eben auch Stärken. Wenn diese gut eingesetzt werden und jeder „am richtigen Platz“ ist, dann wird aus einer Herausforderung schnell ein Vorteil. René Stenz, der viel Erfahrung mit Inklusionsprojekten in unterschiedlichen Branchen hat, unterstreicht dies: „Die Einschränkungen der Mitarbeiter müssen natürlich berücksichtigt werden und Vorgesetzte benötigen ein besonderes Gespür für die Leute, Geduld und Empathie." Dabei sollte im Umgang mit den Beschäftigten berücksichtigt werden: Was braucht der- oder diejenige, um die anstehende Tätigkeit optimal ausführen zu können? Die Inklusionsbetriebe sollen als Unternehmen am Markt diese Fragen erst einmal selbst bearbeiten. Wenn sie jedoch an Grenzen stoßen, steht das LVR-Inklusionsamt mit Unterstützungsangeboten zur Seite: Zum Beispiel mit individuellem Jobcoaching oder technischer Arbeitsplatzerstattung. Ziel ist es jedoch, dass die Unternehmen möglichst selbstständig wirtschaften.

Selbstständigkeit fördern. Auch die Mitarbeiter sollen möglichst selbstständig ihren Job erledigen können. Birgit Hummel betont, dass bei GaLa Service ein freundlicher, unterstützender, aber eben kein überbehütender Umgang miteinander gepflegt wird. Das funktioniert gut, denn neben motivierten Mitarbeitern hat das Unternehmen auch eine gute Auftragslage und konnte wachsen. Zuletzt wurde in Bergheim eine neue Betriebsstätte gebaut. Das Unternehmen läuft, die Mitarbeiter sind zufrieden, die Idee, reguläre Arbeitsplätze zu schaffen, ist aufgegangen, die Unterstützung durch das LVR-Inklusionsamt kommt an: Ein Gewinn und Erfolg, für alle Seiten. Das ist ein wenig wie im Garten- und Landschaftsbau selber: ein Bäumchen wird gepflanzt, es wächst langsam an, benötigt zu Beginn etwas mehr Schutz und Pflege, wird immer stärker und kann schließlich alleine bestehen. So wie Michael Schmitz, der, immer noch lachend, den Pritschenwagen vom Betriebshof in den Straßenverkehr steuert und noch einmal zum Abschied winkt.


Vollständiger LVA ZB - Bericht 1/2021

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GaLa Service auf ZB Rheinland: www.zb-rheinland.de

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A. Pintaric

Aleksander Pintaric

Betriebsleiter, Gärtnermeister Garten- und Landschaftsbau


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